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Klimaerwärmung und Landwirtschaft in Afrika

Djadou Koffi Wilfried

Getreide sind die Basis für die Ernährung der Menschen und befinden sich so im Mittelpunkt der weltweiten Diskussionen um Nahrung. Der rasante Anstieg der Preise auf den Weltmärkten in den Jahren 2007-2008 hat schlagartig den Fokus auf eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte gerückt. Wird die Welt sich selbst ernähren können, vor dem Hintergrund einer Weltbevölkerung die, von 7 Milliarden heute – darunter über eine Milliarde, die unterernährt sind-, auf eine Bevölkerung von 9 Milliarden im Jahre 2050 ansteigen wird? In Westafrika, einer Region der Welt, die bereits massiv von einer prekären Ernährungssituation gekennzeichnet ist, erweist sich diese Herausforderung als entscheidend und erfordert dringend sachliche Antworten. Die Krise 2007-2008 hat in der Tat die Menschen in Westafrika aufgeschreckt, indem sie die durch die Regierungen eingenommenen, beträchtlichen Risiken aufgezeigt, indem sie den Einfuhren des Weltmarktes vertraut hat, um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zu sichern. Es handelt sich da um ein größeres Paradoxon, wenn man bedenkt, dass die Region über bedeutende Ressourcen an bebaubarem Land und an Wasser verfügt und dass die ländliche Bevölkerung daran lechzt, mehr zu produzieren. Im Übrigen die Länder, die sich in der Region nur ungenügend auskennen und lediglich über begrenzte Ressourcen verfügen, sowie die privaten Investoren, sind sich da sicher. Die Strategien, wie Land angekauft, sagen wir „vereinnahmt“ wird, unterstreichen die Ressourcen der Region, dank welchen der Rest der Welt ernährt oder die Tanks von Fahrzeugen gefüllt werden könnte(n). Diese unglaubliche Kehrtwende bedeutet, dass Westafrika mehr denn je sein Modell der landwirtschaftlichen Entwicklung klären  und ehrgeizige Reformen ergreifen muss.  

Zu Beginn des XXI. Jahrhunderts befindet sich die westafrikanische Getreidewirtschaft buchstäblich an einer  Wende. Die wichtigsten Veränderungen, die sie die letzten dreißig Jahre durchlebt hat, sind auf Zwänge zurückzuführen. Die internationale Gemeinschaft hat Druck ausgeübt, um die Wirtschaft und den Handel zu liberalisieren. Ein weiterer Faktor war der Bedarf an Nahrung der ländlichen Bevölkerung. Der Staat, weil er sich zurückgezogen hat, hat nicht die Voraussetzungen für eine landwirtschaftliche Revolution schaffen können. 

Der immer größere Bedarf konnte nach und nach nur durch eine Zunahme der angebauten Flächen befriedigt werden, ohne dass die durchschnittliche Produktivität erhöht werden konnte. Die zahlreichen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sowie die verfügbaren Länder haben diesen Kraftakt möglich gemacht. Die Städte, die sich stark im Anwachsen befinden, haben sich weitgehend mit den Einfuhren beholfen. Der westafrikanische Getreideanbau, der den Hauptanteil der Energiezufuhr  mit den Wurzeln und (Wurzel)Knollen darstellt, wurde weitgehend aus der Landwirtschaftspolitik ausgeklammert und vernachlässigt. Die Herausforderung einer nationalen, unabhängigen Lebensmittelversorgung macht ein gleichzeitiges und gemeinsames Handeln an verschiedenen Stellen erforderlich: Die Produktion, der Markt, der Verbrauch. Es steht der öffentlichen Politik zu, die Richtung zu geben und die Kohärenz des Ganzen sicherzustellen. 

Die meisten statistischen Daten, die in diesem Dokument verwendet werden, entstammen den Datenbanken der internationalen Organisationen: FAO, Weltbank, Cnuced, etc. Die meisten stützen sich auf Informationen, die von den nationalen Statistik- und Umfrageinstituten zur Verfügung gestellt werden.  Die Angaben zur Produktion werden auf das Ziel hin, die Jahresangaben zu nivellieren, im Allgemeinen über mobile Durchschnittsdaten über zwei oder drei Jahre. Man muss sich vergegenwärtigen, dass in den 15 Ländern des Cedeao die Zuverlässigkeit und die Qualität der Angaben variieren. Es ist empfehlenswert, stärker auf Größenordnungen und Trends als auf die Angaben an sich  zu achten.  

 

Die Getreidewirtschaft als Schlüssel für eine sichere Lebensmittelversorgung in Westafrika 

Getreide sind die Basis für die Ernährung der Menschen und befinden sich so im Mittelpunkt der weltweiten Diskussionen um Nahrung. Der rasante Anstieg der Preise auf den Weltmärkten in den Jahren 2007-2008 hat schlagartig den Fokus auf eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte gerückt. Wird die Welt sich selbst ernähren können, vor dem Hintergrund einer Weltbevölkerung die, von 7 Milliarden heute – darunter über eine Milliarde, die unterernährt sind-, auf eine Bevölkerung von 9 Milliarden im Jahre 2050 ansteigen wird? In Westafrika, einer Region der Welt, die bereits massiv von einer prekären Ernährungssituation gekennzeichnet ist, erweist sich diese Herausforderung als entscheidend und erfordert dringend sachliche Antworten. Die Krise 2007-2008 hat in der Tat die Menschen in Westafrika aufgeschreckt, indem sie die durch die Regierungen eingenommenen, beträchtlichen Risiken aufgezeigt, indem sie den Einfuhren des Weltmarktes vertraut hat, um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zu sichern. Es handelt sich da um ein größeres Paradoxon, wenn man bedenkt, dass die Region über bedeutende Ressourcen an bebaubarem Land und an Wasser verfügt und dass die ländliche Bevölkerung daran lechzt, mehr zu produzieren. Im Übrigen die Länder, die sich in der Region nur ungenügend auskennen und lediglich über begrenzte Ressourcen verfügen, sowie die privaten Investoren, sind sich da sicher. Die Strategien, wie Land angekauft, sagen wir „vereinnahmt“ wird, unterstreichen die Ressourcen der Region, dank welchen der Rest der Welt ernährt oder die Tanks von Fahrzeugen gefüllt werden könnte(n). Diese unglaubliche Kehrtwende bedeutet, dass Westafrika mehr denn je sein Modell der landwirtschaftlichen Entwicklung klären  und ehrgeizige Reformen ergreifen muss.  

Zu Beginn des XXI. Jahrhunderts befindet sich die westafrikanische Getreidewirtschaft buchstäblich an einer  Wende. Die wichtigsten Veränderungen, die sie die letzten dreißig Jahre durchlebt hat, sind auf Zwänge zurückzuführen. Die internationale Gemeinschaft hat Druck ausgeübt, um die Wirtschaft und den Handel zu liberalisieren. Ein weiterer Faktor war der Bedarf an Nahrung der ländlichen Bevölkerung. Der Staat, weil er sich zurückgezogen hat, hat nicht die Voraussetzungen für eine landwirtschaftliche Revolution schaffen können. 

Der immer größere Bedarf konnte nach und nach nur durch eine Zunahme der angebauten Flächen befriedigt werden, ohne gleichzeitige durchschnittliche Erhöhung der Produktivität. Die zahlreichen Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sowie die verfügbaren Länder haben diesen Kraftakt möglich gemacht. Die Städte, die stark im Anwachsen sich befinden, haben massiv auf die Einfuhren zurückgegriffen. Die westafrikanische Getreidewirtschaft, die mit den Wurzeln und den (Wurzel)Knollen den größten Teil der Energiezufuhr darstellt, wurde weitgehend zu einer Fußnote der Landwirtschaftspolitik degradiert. Die Herausforderung einer nationalen, unabhängigen Lebensmittelversorgung setzt ein gleichzeitiges und einheitliches Handeln an unterschiedlichen Stellschrauben voraus: die Produktion, der Markt, der Verbrauch. 

Es steht der öffentlichen Hand zu, die Richtung festzulegen und die Kohärenz des Ganzen sicherzustellen. 

 

Auf Seiten der Nachfrage: 

Bis jetzt wurde die zunehmende Nachfrage durch eine immer größere Produktion abgedeckt. Diese größere Nachfrage ist das Ergebnis einer dynamischen Bevölkerungsentwicklung und der Verstädterung. 

Diese dürfte zunehmen und ruft eine einschneidende Veränderung in der Nachfrage nach Getreiden hervor. Die Stadtbewohner konsumieren verarbeitete oder zum Verzehr fertige Produkte, die über ein gutessoziales Image“ verfügen. Weizen und Reis, die die Region einführen muss, sind ernsthafte Konkurrenten für heimische, traditionelle Getreide. Ein Mittelstand, der mittlere Einkommen erzielt, ist dabei, hervorzutreten. Er konsumiert mehr tierisches Eiweiß. Dies erklärt den rasanten Anstieg der Hühnerzucht, die neben den Menschen um Getreide buhlt, zum Beispiel Mais. Die Bier- und Hopfenindustrie ist ein sehr dynamischer Sektor mit einer großen Nachfrage nach Getreide. Von nun an treten fremde Länder auf den Plan, die ihre Versorgung an Reis durch Erschließung und Nutzung von sehr günstigen Zonen (erschließbare Gebiete) absichern wollen. Bis jetzt konnte der afrikanische Verbraucher  sich entscheiden, die „heimischen“ oder die eingeführten Produkte zu kaufen. Zukünftig wird dieser Verbraucher mit anderen Kunden um den Zugang zu den strategischen Rohstoffen konkurrieren. Von seiner Kaufkraft, in der Zukunft noch mehr als in der Vergangenheit, wird seine Fähigkeit abhängen, seinen Bedarf abzudecken. 

 

Auf Seiten der Produktion: 

Binnen dreißig Jahren verdreifachte sich die Produktion, hauptsächlich durch Erschließung zusätzlicher Flächen. Dabei geht es häufig um Ländereien, die von Priestern auf Wanderschaft benutzt oder welche, die ehemals als minderwertig galten.  Um der Nachfrage zu entsprechen wird die Produktion sich in den nächsten zwanzig Jahren verdoppeln müssen. Inwiefern wird die Region das leisten können? Ohne Zweifel bleiben ungenutzte Ländereien übrig aber sie sind die rufen viele Begierden hervor, vor allem die besten Flächen, die bewässerbar sind. Vorerst haben die Länder vor allem die Reisproduktion intensiviert, um auf den stark wachsenden Bedarf an Reis zu reagieren, zumal er zur Hälfte eingeführt wird. Die Intensivierungsmaßnahmen stützen sich auf die technologischen Erfindungen aus der ersten grünen Revolution (vorrangig chemische Düngemittel und verbesserte Aussaat, Ausstattung und Planung in einem viel geringeren Umfang). Im Wesentlichen beruhten die Ankurbelungsprogramme auf öffentlichen Zuschüssen. Diese Trends werfen vier Fragen auf: die ökologische Nachhaltigkeit der Produktionsmittel; der Fortbestand der staatlichen Zuschüsse für die landwirtschaftliche Produktion; die Zukunft der Familienbetriebe angesichts der Versuchung des intensiven „Agrobusiness“, die Zukunft der traditionellen Getreide, die in den dürren Gegenden und in den Ernährungssystemen der Stämme des Sahel einen zentralen Platz einnehmen.  

 

Auf Seiten der Märkte… 

In einem Kontext starker Verstädterung nehmen die Märkte eine immer wichtigere Stellung ein, zuungunsten von Strategien der Selbstversorgung (und Selbstverbrauchs), die noch stark in ländlichen Milieus verankert sind. Die Liberalisierung der Einfuhren hat durch einen Ausgleich der Produktionsausfälle zur Stabilisierung der Preise in den Ballungsräumen bis in die Hälfte des ersten Jahrzehntes hinein geführt. Seitdem hat die Volatilität der internationalen Märkte die Instabilität der Preise in der Region zur Folge gehabt. Als Gründe können angeführt werden: Produktionsschwankungen, Störungen in den Märkten und das Fehlen einer Regulierungspolitik. Die Zweige bleiben wenig reguliert und ein großer Teil der Geschäfte ist der „informellen“ Wirtschaft zuzuordnen, mit Produkten, die im Rohzustand und keinen einheitlichen Standards unterworfen sind. Die Akteure weisen kein einheitliches, allgemein gültiges Berufsbild auf. Der regionale Markt stellt für die Erzeuger einen sehr bedeutenden Absatzmarkt dar. Aber dieses Potenzial wird für die Erzeuger erst Früchte tragen, wenn es ihren Organisationen gelingen sollte, ein wichtiger Faktor auf dem Markt zu werden, zum Beispiel mittels Lagerung und Großhandel. Dasselbe gilt für die Regeln, die den Markt innerhalb der Region bestimmen, sowie für die Regulierungs- und Schutzmaßnahmen an den Grenzen. Ohne ein Mindestmaß an Sicherung der Handelsbedingungen der Erzeuger, ist das Risiko groß, dass die Verbraucher die eingeführten Produkte bevorzugen. 

 

Und die Organisations- und Verhandlungsmöglichkeiten der ländlichen Organisationen 

Gegen die Resignation der öffentlichen Stellen haben die Erzeuger in den neunziger Jahren begonnen, sich in einem Kontext zu organisieren, der von harten Zwängen gekennzeichnet war. Mangelhafte Investitionen in die Infrastruktur im ländlichen Milieu, Schließung der Beratungs- und Unterstützungsstellen für die Bauern, drastischer Rückgang der finanziellen Zuschüsse für die landwirtschaftliche Forschung, Vorherrschaft des Analphabetismus, Förderung von Organisations- und Entwicklungsmodellen, die in Widerspruch zu den kulturellen und sozialen Gegebenheiten vor Ort stehen. Unter Bedingungen, in denen die institutionelle Konsolidierung der Erzeugerverbände selbst ein wichtiges Thema ist, haben sich die Strategien, die die Bauern nach und nach eingeleitet haben, um auf ihre Probleme in der Produktion (Zugang zu landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, Finanzierung), in der Lagerung, im Vertrieb, in der Informationsbeschaffung, etc. adäquat zu reagieren, als unzureichend erwiesen, mit dem Ziel,  einen einschneidenden Wandel in der Getreidewirtschaft auf regionaler Ebene zu erreichen. Aber diese Erfahrungen sind lehrreich, jetzt da wirksame, leistungsfähige Maßnahmen entwickelt werden müssen, die für die große Mehrheit der Erzeuger bestimmt sind und auf deren unterschiedlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Die  Verwertung und die Reflexion über diese Erfahrungen prägen und nähren heutzutage den Dialog über die Landwirtschaftspolitik in Westafrika. 

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