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Vier, die auszogen, die Ostsee zu suchen

Johannes Weber

Der Klimawandel hinterlässt überall seine Spuren und das auch vor den Türen von Rostock. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Rostock-Warnemünde (IOW) ist eines der deutschen Forschungsinstitute, das sich speziell mit dem den Auswirkungen auf unser heimisches Meer – die Ostsee – beschäftigt. Das IOW hat 216 Mitarbeiter und ist in vier Fachsektoren aufgeteilt. In der Physikalischen Ozeanographie, Meereschemie, Biologischen Meereskunde und der Marinen Geologie nehmen Wissenschaftler die Natur genauer unter die Lupe.

Im Sektor Biologische Meereskunde ist die Arbeitsgruppe „Küsten- und Meeresmanagement tätig. Diese befasst sich mit anwendungsorientierter Küsten- und Meeresforschung. Der Klimawandel spielt dabei eine Rolle, wie er sich zum Beispiel auf den Tourismus auswirkt oder welche Maßnahmen zum Schutz der Ostsee getroffen werden müssen.

Eine der dort tätigen Wissenschaftler ist Silke Schönwald. Sie arbeitet mit mehreren Kollegen in der Arbeitsgruppe Küsten- und Meeresmanagement.

Das Team greift viele unterschiedliche Themengebiete auf. „Ich beschäftige mich mit Indikatoren die Auskunft geben sollen, wie nachhaltig Küstengemeinden agieren “, erzählt Schönwald. Ein Indikator ist zum Beispiel die Badewasserqualität aber auch soziale und wirtschaftliche Faktoren werden betrachtet.

Darüber tauscht sich Schönwald mit Leuten aus anderen europäischen Küstenregionen aus. Im Rahmen eines EU-Projektes erfährt sie, wie deren Strandmanagment aussieht und wie die Einwohner dort auf den Klimawandel reagieren, wenn es z.B. zu Hochwasserereignissen kommt. Nach dem projektinternen Austausch und einer Analyse der Situation werden nun Maßnahmen zur Anpassung an die prognostizierten Folgen des Klimawandels entwickelt. „Wir müssen endlich anfangen, nachhaltig zu wirtschaften um dem Trend des Klimawandels entgegenwirken zu können“, sagt Schönwald.

Neben ihr gehört auch Christian Filies zur Arbeitsgruppe. Der 30-Jährige arbeitet bei der NGO: „EUCC- Die Küsten Union Deutschland (EUCC-D), die im Leibniz-Institut untergebracht ist. Sie fördert die nachhaltige Entwicklung der Küsten und Meere durch integriertes Management unter Einbeziehung des globalen Wandels und regionaler Interessen. Christian Filies untersucht dabei die Einflüsse des Klimawandels auf den Tourismus: „Den Entscheidungsträgern im Tourismus versuche ich die Entwicklungen näher zu bringen, die in den nächsten Jahren wahrscheinlich zunehmend Einfluss nehmen werden.“

Der ehemalige Student der Uni Lüneburg hat bevor er zu EUCC-D kam, seine Abschlussarbeit für das deutsche Klimaprojekt „RAdOst“ geschrieben. „Wenn ich aber konkrete Prognosen für die Ostsee vorhersagen könnte, würde ich dafür bestimmt einen Nobelpreis kriegen“, sagt er lachend. Jedoch ist ihm aufgefallen, dass eine Saisonverlängerung des Sommers stattfindet.

Ein gutes Beispiel ist das dritte Oktoberwochenende in diesem Jahr. Es herrschten bis zu 25 Grad, was ungewöhnlich mitten im Herbst ist. Eine weitere Sache hat Filies beobachtet:

„Eine rein subjektive Wahrnehmung von vielen ist, dass die Intensivität der Stürme im Winter zugenommen hat. Die Statistik belegt das nicht, aber einen Meeresspiegel- und Temperaturanstieg gibt es schon, auch wenn das so gering ist, dass man es nicht spürt.“ Allerdings sind die minimalen Veränderungen mit Messgeräten feststellbar.

Das EUCC-D-Mitglied ist jedenfalls der Auffassung, dass man deswegen aber nicht in Panik verfallen sollte. Ihm ist es dagegen wichtig bei den Leuten das Bewusstsein zu schaffen, den Prozess des Klimawandels wahrzunehmen.

Ein weiteres Mitglied der Arbeitsgruppe ist Matthias Mossbauer. Er sitzt mit Schönwald in einem Büro. Der Mann mit dem Pferdeschwanz arbeitet am Themengebiet „Strandmanagement“. „Vorher habe ich das Unterwasserpflanzenwachstum entlang der Ostseeküste untersucht. Jetzt habe ich ein Thema was sich nicht mehr ganz dem Thema Klimawandel zuwendet“, meint Mossbauer.

Bei seinen Untersuchungen des Unterwasserpflanzenwachstums hat er festgestellt, dass immer mehr Pflanzen an den Strand getrieben werden.

Das nennt man auch „Strandanwurf“ und wird von der Tourismuswirtschaft als Problem gesehen. Es ist ein hoher finanzieller Aufwand, den Strand davon zu befreien. Besonders den Strandbehörden interessieren die Auswirkungen für die nächsten Jahre.

Dazu hat Mossbauer mit anderen Forschern eine Ökosystemmodellierung durchgeführt. Sie versuchten damit das Pflanzenwachstum zu simulieren. Dabei wurde festgestellt, dass sich in den nächsten 50 bis 70 Jahren das Problem des „Strandanwurfs“ vergrößern wird. Keine gute Nachricht für den Tourismus.

Er hat für die Zukunft herausgefunden, dass die Wassertemperatur das Unterwasserpflanzenwachstum nicht großartig verändern wird. Seiner Meinung nach wird der Klimawandel an der Ostsee keine so großen Auswirkungen haben, wie in anderen Regionen der Welt.

Was für ihn an der Küste ein wichtigeres Problem darstellt, sind die Nährstoffeinträge der Landwirtschaft in die Ostsee. Um die Einträge zu verringern versichert Mossbauer, habe es aber bereits EU-Maßnahmen gegeben. Für die Zukunft weiß er, gibt es eine weitere Sache die zu beachten ist: „Der durchschnittliche Meeresspiegelanstieg in den nächsten 100 Jahren wird 30 cm betragen und wurde bei der Errichtung von Hochwasserschutzbauten schon berücksichtigt.“ Ein Schritt von vielen, sich dem Klimawandel anzupassen.

In Zukunft wird sich Matthias Mossbauer weg von Klimawandel begeben. Sein neues Thema lautet: „Müll in der Ostsee“. Das Ziel sei es Menschen zu sensibilisieren, um sie zu animieren zum Beispiel eine PET-Flasche müllgerecht zu entsorgen.

Inga Krämer ist eine weiteres von neun Teammitgliedern. Sie beschäftigt sich mit der Gewässerqualität und den Nährstoffeinträgen in die Ostsee. Diese können eine Eutrophierung der Ostsee bewirken, wobei das Wasser übermäßig mit Nährstoffen versorgt wird. Die Frau die seit 2009 am IOW ist, schaut dabei auf welche Ursachen das zurückzuführen ist und welche Ziele verfolgt werden müssen, damit die Nährstoffeinträge verringert werden können. „Wir arbeiten eng mit Modellierern zusammen. Man kann die Zukunft ja nicht vorhersagen, sondern nur mit Modellen nachbauen“, meint Krämer. Sie denkt sich verschiedene Möglichkeiten von Szenarien aus und untersucht, was zum Beispiel passiert, wenn die Wassertemperatur um zwei Grad steigt.

In den nächsten 10 bis 20 Jahren werden die Dinge, denen Krämer nachgeht noch

geringe Auswirkungen für die Ostsee haben. Um den Schutz des Meeres zu gewährleisten, wird bis 2020 der „Baltic Sea Action Plan“ umgesetzt. Dieser soll alle Einflüsse und Beeinflussungen auf das Ökosystem des Binnenmeeres und ihrer jeweiligen Verknüpfungen betrachten. „Vor allem spielen in Zukunft die Entscheidungen der Politiker eine wichtige Rolle“, erzählt die 36-Jährige.

Genau wie viele andere Forscher auch, wird die „Arbeitsgruppe Küsten- und Meeresmanagement“ weiterhin viele Ergebnisse sammeln und auswerten. Sie begleitet den Wandel der Ostsee ständig und wird feststellen inwiefern sich der Klimawandel auf das Meer vor den Türen Rostocks auswirkt.

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